Hospizkalender für 2011 - Galerie

Hospizkalender für 2011 – Galerie

Laudatio zur Vernissage von Monika Schwenk

Laudatio als PDF
Anlässlich der Jubiläumsveranstaltungen der ökumenischen Hospizgruppe Balingen und des Fördervereins

Gehalten von Christina Henselmann in der Stadthalle Balingen am 23. Oktober 2011
Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich, Sie heute, im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der ökumenischen Hospizgruppe Balingen und des
Fördervereins, zur Vernissage von Monika Schwenk begrüßen zu dürfen. Bekamen Sie bereits einen Jubiläumsstrauß? Zu einem Jubiläum darf ein Strauß nicht fehlen.
Monika Schwenk stellte mich vor eine freudvolle Auswahl. Ich möchte Ihnen gern einen malerischen Strauß in Spiralbindung überreichen. Sehen Sie, was ich für Sie
zusammenstelle: Für die Mitte des Straußes benötige ich

  • 5 Kalenderblüten
  • 15 Blüten der Hospizarbeit
  • 10 Fördervereinsblüten
  • Rechtshänder legen die Stängel in die linke Hand, dabei zeigen die Köpfe nach
  • links, die Stile nach rechts.

Liebe Monika, liebe Gäste,
Der Kalender, den wir heute präsentiert bekommen, ist der 5., den Monika Schwenk im Rahmen der Hospizarbeit mit ihren Aquarellen zusammengestellt hat. 2004
ersann Eduard Maass das Projekt mit dem Gespür, dass die fröhlichen Bilder Monika Schwenks ein Gewinn für die Hospizarbeit sein könnten. Der Verkaufserfolg, der
natürlich auch Eduard Maass zu verdanken ist, spricht für sich.
Aus diesem ersten Kalender stammt auch das Aquarell, das inzwischen das Logo für die Hospizgruppe Balingen geworden ist. Dieses Bild, Schlosspark Lautlingen, eine
Leihgabe aus privatem Besitz, ist heute auch in der Ausstellung zu sehen. Für Monika Schwenk, die mit ihren Aquarellen im Zollernalbkreis bereits an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen hat, war das Kalenderprojekt eine reizvolle neue Aufgabe, auf die sie sich gern einließ.

In der heutigen Ausstellung werden Sie neben den 12 Kalenderblättern auch weitere Werke aus den letzten 7 Jahren der Künstlerin zu sehen bekommen.
Die Technik des Spiralbindens Jede weitere Blume, die ich in den Strauß binde, wird so in die Hand gelegt, dass sie in die Lücke des letzten Stiles schlüpft. Dabei stützen sich die Stile gegenseitig. Die exakt ausgeführte Technik ist entscheidend für die Aussagekraft des Endprodukts.
Als sich Monika Schwenk auf das Aquarellieren, die älteste aller Maltechniken, einließ, spürte sie sehr bald, dass nur ein exaktes Beherrschen der Technik und eine stete Neugierde, weiter lernen zu wollen, sie zu einem eigenen Bildausdruck bringen würde. Dem voraus gingen Jahre des hartnäckigen Studiums der Natur und ein mühsames Erarbeiten der Grundlagen durch den Maler Roland Karl und der Malerin Birgit Gutzmann-Battista.

„Wir dürfen uns,“ so Paul Cezanne, „ […] nicht damit zufrieden geben, die schönen Formeln unserer erlauchten Vorgänger beizubehalten. Machen wir uns doch frei davon und studieren wir die schöne Natur, versuchen wir ihren Geist herauszuheben, suchen wir uns doch so auszudrücken, wie es unserem persönlichen Temperament entspricht. Im übrigen, auch die Zeit und das Nachdenken verändern so nach und nach unser Sehen, und am Ende finden wir zum Verständnis.“

So wie es Cezanne formulierte, versuchte sich Monika Schwenk schließlich immer mehr von den Vorgaben zu lösen und ihren eigenen Stil zu entwickeln. Mischtechniken und Collageelemente in den Aquarellen, eingesetzt um Akzente hervorzuheben oder Vorstellungen zu korrigieren, zeugen von der Freiheit, mit der sie ihre Bildideen umsetzt.

Die Künstlerin: „Wenn es nicht so wird, wie ich es mir vorstelle, klebe ich etwas hinein.“

Spürbar für uns offenbart Monika Schwenk ihr persönliches Temperament in ihren Werken, wenn wir z. B. die Küchenstillleben betrachten, in denen Geschirr, losgelöst
von der Farbe, scheinbar richtungslos aufeinander gestapelt, uns einen Augenblick aufzeigt, der den Betrachter mit dem Gedankenblitz: „Sollte ich etwas gerade rücken?“ kurz zucken lässt. Dann aber macht sich das Gefühl breit, dass doch alles seine Ordnung hat und der Betrachter beginnt, das scheinbare Durcheinander mit
einem leichten Schmunzeln zu studieren. Erst die Ebene des Geschirrs, dann die der Farbe oder doch beides zusammen? Zu schön, als dass man dies aufräumen wollte.
„Der Künstler“, so Cezanne, „ist nur ein Aufnahmeorgan, ein Registrierapparat für Sinnesempfindungen, aber, weiß Gott, ein guter, empfindlicher, komplizierter,
besonders im Vergleich zu den anderen Menschen. Aber wenn er dazwischenkommt, wenn er es wagt, der Erbärmliche, sich willentlich einzumischen in den Übersetzungsvorgang, dann bringt er nur seine Bedeutungslosigkeit hinein, das Werk wird minderwertig.“
Die Werke, die wir heute sehen sind Beispiele dafür, dass Monika Schwenk mit feinem Gespür ihre Sinneseindrücke direkt in ihr Bild übersetzte und sich hütete,
willentlich zu korrigieren, wo es nichts zu korrigieren gibt. Die Frische der Küchenstillleben, die Leichtigkeit der Landschaftsporträts, die lockere Art der Blumenstillleben sind weit von Erdachtem, Konstruiertem, willentlich Erschaffenem entfernt. Es ist diese leichte Unmittelbarkeit, mit der uns Monika Schwenk ihr
Temperament vor Augen hält und so in uns eine zarte Fröhlichkeit anklingen lässt.

Um die Mitte des Jubiläumsstraußes binde ich Mohn, Lavendel und Sonnenblumen Die untersten Blätter werden mit einem kurzen Messer entfernt „Man muß“, so Cezanne „die Natur nicht reproduzieren, sondern präsentieren, durch was? Durch gestaltende farbige Äquivalente. […] Die Kunst ist eine Harmonie parallel
zur Natur.“

Die Natur war für Monika Schwenk immer inspirierend. Sie arbeitet bis heute bevorzugt vor dem Motiv, erstellt Skizzen oder Fotographien, die sie als Gedankenstützen für die Arbeit im Atelier benützt oder formuliert ihre Bilder vor Ort ganz aus. Dabei entwickelt sich die Bildlösung intuitiv. Nichts lässt sich vorher planen. Die Aquarelltechnik erfordert spontanes Reagieren im Moment, denn die lasierenden Farben sind nicht wieder auszuradieren, Verläufe nur begrenzt zu steuern.

„Auf dem Aquarellbild entsteht durch das Zusammenspiel von Wasser und Farbe immer etwas Überraschendes“, so die Künstlerin.

Dabei ist das getreue Abbilden des Motivs schon lange nicht mehr Ziel, sondern, um mit Cezannes Worten zu sprechen, ein Werk „parallel zur Natur“ zu erschaffen. Die Landschaftsbilder sind wie Momentaufnahmen vom Bodensee, der Alb, Italien oder der Provence, die uns in die Stimmung, in den Duft, in die Atmosphäre mit hinein nehmen. Da sind die gelben
Sonnenblumen, die uns von der sommerlichen Hitze erzählen, das ist der rote Mohn, der, so zart, vom Wind leicht bewegt wird, da ist der Lavendel, dessen Duft sich
förmlich einatmen lässt. Losgelöst von Formen werden Farbflächen gesetzt, die den Hauch der Atmosphäre erahnen lassen, uns Hineinnehmen in unsere Gefühle, uns
tanzen lassen in Verläufen, Farbspritzern und zart Angedeutetem und uns wieder entlassen in formulierten Details, wie Häusern, Fenstern oder Zypressenkronen, die
der Bildkomposition eine sanfte Rhythmisierung auferlegen und den Betrachter unbemerkt durch die Landschaft führen.

Repräsentiert sich uns nicht auch die Natur in den Blumenstilleben, die, wie geschwind gemalt, sich aus luftigen Farben heraus kristallisieren, mit Blüten, die sich
durch ihre Negativform oder durch ihr gänzliches Fehlen erst für uns definieren und so uns ihre Schönheit erahnen lassen? Oder betrachten Sie die Schafe des Januarbildes, die mit wenigen Linien angedeutet uns ihren Charakter vor die Füße werfen und uns durch ihre Präsenz beinah zu einem bockigen Zwiegespräch heraus fordern. Niemals hätten diese Schafe auf einer grünen Weide stehen können! Es musste dieses gelb und grau sein, das uns noch unmittelbarer den Charakter der Tiere aufzeigt. Monika Schwenk reproduziert nicht die Natur, Monika Schwenk präsentiert uns ihr Sehen, ihr Erleben, ihr Empfinden durch Farbäquivalente, durch zaghaft
Angedeutetes, durch Weggelassenes. Sie erschafft uns ihre eigene Harmonie parallel zur Natur.

Um den Strauß herum stecke ich Blüten in rot gelb und blau stelle diese bunt aber doch geordnet zusammen und achte auf eine natürliche Verteilung der Farben.

Paul Gaugin: „Minderwertige Malerei entsteht durch den Anspruch, alles wiedergeben zu wollen; das Ganze versinkt in den Details, die Langeweile ist die
Folge davon. Der Eindruck aber, der aus der einfachen Verteilung der Farben, Lichter und Schatten hervorgeht, das ist die Musik des Bildes. Bevor man überhaupt
weiß, was das Bild darstellt, ist man doch sofort ergriffen von dem magischen Akkord seiner Farben. Das ist die wahre Überlegenheit der Malerei über die anderen Künste, denn jene Ergriffenheit trifft den innersten Teil der Seele.“

Schauen sie sich um, und lassen Sie sich von den magischen Akkorden der Farben berühren, die Monika Schwenk in einer Leichtigkeit aus ihrem Pinsel fließen lässt, als
hätte sie nie etwas anderes getan. Ungeniert setzt sie ein dominantes Karminrot gegen ein Ultramarinblau, webt ein sonniges Kadmiumgelb dazwischen und entlässt den Betrachter in ein Farbgeflecht, das ergreift, ohne zu begreifen, was berührt. Ich finde es fast frech, mit welch Selbstverständlichkeit sie die drei Primärfarben einsetzt.
Haben Sie schon einmal versucht rot, gelb und blau auf einem Bild zu komponieren? Meist endet das in einem bunten Durcheinander. Bei Monika Schwenk aber fügt sich alles zu einem ausgewogenen Ganzen und die Farben steigern sich wie selbstverständlich aufgrund ihrer Kontraste zu einer Intensität, die in uns Saiten zum Schwingen bringt. Da ist kein Zuviel. Da ist kompositorische und farbliche Harmonie, gepaart mit einer lockeren Fröhlichkeit, die sich gegenseitig beleben.
„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“

Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste um diese mysteriöse Kraft des Unaussprechlichen, die uns das Kunstwerk vermittelt. In Monika Schwenks
Aquarellen ist diese Kraft eine feine Ebene zwischen den Farbakkorden, die sich förmlich erspüren lässt. Zieht uns nicht im Februarbild das Ultramarinblau, das in
seiner Intensität durch den Kalt-Warm-Kontrast zum Ocker bis auf die Spitze gesteigert wird, ungefragt in das Motiv hinein? Und leuchten nicht die goldenen
Felder des Julibildes deshalb so, weil, eingerahmt vom roten Mohn und blauem Himmel, die Farben sich selbst kontrastieren? Es ist die eigene Natur der Farben, die
uns betört und uns fasziniert. Der Zugang zu Monika Schwenks Aquarellen führt durch die Farbe, die uns in unseren Empfindungen berührt und tief innen eine
rätselhafte Kraft erahnen lässt.

Zum Schluss füge ich ein paar Blätter Farn als Manschette zu meinem malerischen Strauß hinzu und überreiche diesen Ihnen, liebe Jubilare, als Anerkennung für Ihre Arbeit. Sie, liebe Gäste möchte ich ermuntern: Pflücken Sie sich in der Ausstellung Ihren eigenen Strauß mit Ihren persönlichen Eindrücken. Genießen Sie es, aus der Fülle eines Farbenmeeres zu schöpfen. Monika Schwenk hat uns allen eine unglaubliche Auswahl bereitgestellt. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Mit Schnittblumendünger in der Vase haben sie länger etwas davon.

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